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ist
ein multimediales Projekt über Frauenpersönlichkeiten in Naturwissenschaft,
Politik und Kultur aus der Vergangenheit bis zur Gegenwart.
Im
Jahr 2000 wurde im Rahmen der Weltausstellung EXPO
2000 in Niedersachsen die
Grundidee und das Konzept zu diesem Projekt geboren.
Zum
EXPO-Thema „Mensch - Natur -
Technik“ entstand das Gesamtkunstwerk „Hypatias Töchter“, in dem
das Leben und Schicksal bemerkenswerter Frauen aus Naturwissenschaft, Technik,
Politik und Kultur musikalisch – künstlerisch mit Bildern, Skulpturen und
Musik in den Blickpunkt gerückt
wird.
Als
ältestes Beispiel für weibliches
Handeln in Wissenschaft und Politik kristallisierte sich die antike griechische
Philosophin, Astronomin und Mathematikerin Hypatia (ca. 370 – 415) heraus und
bildete damit den historischen Ausgangspunkt und Titel für das Projekt
„Hypatias Töchter“.
Informationen
zu den thematisierten Frauen:
Hypatia aus Alexandria (ca. 370 – 415 n. Chr.) Philosophin und Mathematikerin
Hypatia
war eine berühmte Mathematikerin und Philosophin, die in Alexandria, einem
bedeutenden wissenschaftlichen Zentrum der antiken Welt, lebte und wirkte. Sie
übernahm im Alter von 31 Jahren als anerkannte Neoplatonikerin das Direktorat
des Museions, eine der berühmtesten Hochschulen dieser Zeit.
Hier
hielt sie Vorlesungen in einem breiten Spektrum von Fachgebieten und verfasste
mathematische Abhandlungen, u.a. zu den Kegelschnitten des Apollonius von Perge.
Ihre Ergebnisse hierzu lieferten eine mathematische Grundlage für die
Berechnung der Ellipsenbahnen der Planeten und stellten gleichzeitig eine der
Grundlagen für den Durchbruch zum heliozentrischen Weltbild dar.
Hypatia
befasste sich auch mit Mechanik und angewandter Technologie. Zwei Erfindungen,
ein Hydrometer zur Messung des spezifischen Gewichtes von Flüssigkeiten und ein
Astrolabium, zur Bestimmung des Sonnen‑ und Sternenstandes, werden ihr
zugeschrieben.
Obwohl
Frauen damals aufgrund ihres Geschlechtes als minderwertig betrachtet wurden,
war Hypatia so berühmt und anerkannt, dass viele von weit her reisten, um ihre
Vorlesungen zu hören. Sie stand in dem Ruf, mit ihrem philosophischen
Scharfsinn die berühmtesten Männer ihrer Zeit zu übertreffen.
Zu
Lebzeiten von Hypatia hielten viele Christen das hellenistische
Wissenschaftsverständnis für unvereinbar mit dem christlichen Glauben. Zudem
stellte Hypatia als Frau auch mit ihrem unabhängigen Lebenswandel eine ständige
Provokation dar.
Um
das Christentum auch in Alexandria durchzusetzen und ihre Macht auszuweiten,
nutzten christliche Würdenträger, wie Bischof Kyrillus geschickt soziale
Konflikte zwischen den verschiedenen Volksgruppen der Stadt aus.
Nach
der Vertreibung der Juden sollte Alexandria nun auch von neoplatonischen
KetzerInnen gereinigt werden. Auch Hypatia, als griechische Wissenschaftlerin,
erklärte Nichtchristin und politisch einflussreiche Frau, fiel den Verfolgungen
zum Opfer. Sie wurde von christlichen Fanatikern regelrecht in Stücke gerissen.
Ihre philosophischen Schriften wurden vernichtet oder unterschlagen.
Bildmotive:
Zahlenreihen, Zahlenfolgen, Dreiersysteme, die Stufenleiter der „Himmlischen
Hierarchie“ u. a. mathematische Themen mit denen sich Hypatia vermutlich
auseinandergesetzt hat.
Maria
Sibylla Merian (1647 – 1717) Malerin,
Kupferstecherin und Naturforscherin
Maria Sibylla Merian wurde am
2.April 1647 als Tochter des berühmten Kupferstechers Matthäus Merian d. Ä.
in Frankfurt am Main geboren. Da ihr Vater früh verstarb wuchs sie in der Künstlerwerkstatt
ihres Stiefvaters, des Blumenmalers Jakob Marrell auf, der ihr Talent erkannte
und sie in Mal- und Kupferstichtechniken unterrichten ließ. Mit zwölf Jahren
begann ihre Leidenschaft für die Geheimnisse der Natur: sie beobachtete und
malte Insekten, Raupen und andere Kleinlebewesen.
Dieses Sammeln, Aufziehen und künstlerische
Dokumentieren wurde ihr Lebensinhalt, dessen Höhepunkt die Reise ins südamerikanische
Surinam war. Dort betrat sie wissenschaftliches Neuland und erforschte unter
enormen Strapazen in einem mörderischen Klima tropische Schmetterlinge und
Pflanzen. Die Krönung ihres Lebenswerkes sind prächtige Bände mit eigenen
Kupferstichen und Texten über die Ergebnisse ihrer Arbeit.
Bildmotive:
Inhalte ihrer biologischen Arbeit, ihrer Skizzen zu Pflanzen und Insekten.
Ada
Byron Countess of Lovelace (1815
– 1852) Mathematikerin,
"Computerpionierin”
Augusta Ada wurde am 10. Dezember
1815 als Tochter von Annabella Milbanke und dem romantischen Dichter Lord Byron
in London geboren.
Ada wurde streng
naturwissenschaftlich erzogen, eine extreme Reaktion ihrer hochintelligenten und
mathematisch begabten Mutter dem
treulosen Vater und seinen poetischen Ambitionen gegenüber, denn dieser verließ
die Familie bereits einen Monat nach Adas Geburt.
Adas Interesse galt bald der
Mathematik und Mechanik. Schon früh entwarf sie u.a. Konstruktionspläne für
Schiffe und Maschinen und korrespondierte mit den berühmten MathematikerInnen
Mary Somerville und Charles Babbage.
Mit 20 Jahren heiratete Ada Byron
Lord King, den späteren Earl of Lovelace und gebar drei Kinder. Ihre Ehe und
die häusliche Situation waren sehr unbefriedigend. Vermehrt widmete sie sich
der Mathematik und Musik. Zwischen dem Erfinder Charles Babbage und Ada
entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Sie übersetzte nicht nur ein Buch
über die Konstruktion der „Analytical Engine“
von Babbage sondern ergänzte diesen Text um detaillierte Erklärungen zur
Funktionalität und zum Aufbau der Maschine, erstellte u. a. Beispiel-Programme
zur Berechnung von Gleichungssystemen und Bernoullizahlen, und gab eine Einführung
sowie weiterführende Gedanken zur Programmsteuerung. Des Weiteren erarbeitete
sie die Organisationsprinzipien der jeweiligen Rechenoperationen, die heute
„Schleife“, „Subroutine“
und „bedingter Sprung“ heißen.
Aus finanziellen Gründen wurde
diese Maschine allerdings nie gebaut.
Adas Gesundheitszustand wurde
zunehmend schlechter. Die Behandlung mit dem neuen Medikament Morphin machte sie
zusätzlich drogenabhängig. Im Alter von 36 Jahren starb sie an Krebs.
1975 benannte das Pentagon eine
universell einsetzbare Computersprache ADA.
Bildmotive:
0 und 1 als Basis der Rechenoperationen, Transformationen, die Platine eines PC´s
als greifbares Teil eines sonst unsichtbaren Vorgangs. Motive auf der
Seidengaze zeigen sie selbst, Babbage und ihre Leidenschaft für das
Pferderennen sowie den mathematisch-analytischen Aspekt von Wetten.
Clara
Immerwahr (1870 – 1915), Chemikerin und Pazifistin
Als jüngste Tochter eines jüdischen
Chemikers wurde Clara Immerwahr
am 21. Juni 1870 in Breslau geboren. Sie promovierte als erste Frau an der
Universität Breslau „magna cum laude“ im Fach physikalische Chemie. 1901
heiratete sie nach langem Zögern den Sohn eines jüdischen Farbenhändlers,
Fritz Haber.
Ihre Hoffnungen, sich auch als
Ehefrau und Mutter weiter der Forschung widmen zu können, erfüllten sich
nicht.
Fritz machte eine steile
Karriere, sie musste die Rolle der repräsentierenden, umsorgenden und
allenfalls zuarbeitenden Professorengattin übernehmen.
Genial und umstritten zugleich
war der Chemiker Fritz Haber (1868 – 1934). Seine bahnbrechenden Arbeiten auf
dem Gebiet der Thermodynamik führten zur Ammoniaksynthese und wurden 1918 mit
dem Nobelpreis honoriert. Brennender Ehrgeiz und leidenschaftlicher Patriotismus
manifestierten sich u. a. in seinem bedingungslosen Einsatz für den Gaskrieg
und in der Entwicklung und Produktion von
Gaskampfstoffen. Sie machten den deutschen Juden Fritz Haber zu einer der
umstrittensten Persönlichkeiten des zwanzigsten Jahrhunderts.
Als Fritz Haber während des
ersten Weltkrieges aktiv an der Gestaltung von Giftgaswaffen arbeitete und diese
dann, trotz des engagierten
Protestes seiner Frau, selbst auf dem Feld bei Ypern (Frankreich) zum Einsatz
brachte, starben mehrere tausend
Soldaten auf grausamste Weise. Clara reagierte mit der ihr einzig überzeugend
erscheinenden Art des Protestes, sie beging Selbstmord. Sie
sah keinen Ausweg mehr, nicht Mittäterin zu sein und erschoss sich am 1. Mai
1915 mit seiner Dienstwaffe.
Bildmotive:
die kreuzbildende Form im Tafelbild nimmt
bezug auf den Freitod der jungen Frau.
Bildzitate aus dem privaten Leben
stehen im Gegensatz zu den Gaskriegmotiven auf den Taschentüchern.
Isabelle Eberhardt
(1877 – 1904), Schriftstellerin und Reisende
wurde 1877 bei Genf als jüngstes
von 5 Kindern einer adeligen russischen Emigrantin geboren, die mit dem
Hauslehrer der Familie, einem zum Anarchisten gewordenen orthodoxen Priester,
durchgebrannt war. In geradezu exotisch unkonventionellen Umständen
aufwachsend, weigerte sich Isabelle schon als Kind Mädchenkleider zu tragen.
Mit zwölf Jahren lernt das
sprachbegabte Kind arabisch, mit vierzehn ist
sie fest entschlossen zum Islam überzutreten. Nordafrika ist das Ziel
ihrer Sehnsucht.
Nach
langen Briefwechseln mit einem türkischen Schriftgelehrten und einem, wie sie für
die arabische Kultur schwärmenden französischen Kolonialoffizier, tritt sie 20
jährig zum Islam über und reist mit der Mutter nach Algier. Sie nennt sich nun
Si Mahmoud und reitet als Araber verkleidet durch Nordafrika, besucht die
heiligen Stätten des Islams und lebt mit den Beduinen zusammen.
Sie streift
durch die Bars und Bordelle des Hafenviertels, ist in Beduinenzelten und
Drogenhöhlen willkommen und schreibt ihre ersten Prosaskizzen und
Kurzgeschichten. 1899 kehrt sie vorübergehend nach Paris zurück und macht sich
mit den in der Sahara geschriebenen Texten in den literarischen Salons einen
Namen; von den Honoraren kauft sie sich einen Araberhengst. Sieben Jahre reist
sie durch Algerien, Tunesien und Marokko, wo sie mehrere Romane, Erzählungen
und vor allem Reiseberichte verfasst.
1904 überrascht sie mitten in
der Wüste ein Wolkenbruch, dessen Fluten sie mitsamt ihrer Lehmhütte im Alter
von 26 Jahren in den Tod mitreist.
Bildmotive:
der arabische Hengst, Wüstenmotive, Zitate aus ihren Romanen und
Filmstreifen von 16mm Filmen über Reisen.
Lise Meitner (1878
– 1968), Physikerin
Sie wurde am 7. November 1878 in
Wien als Tochter einer angesehenen jüdischen Familie geboren. Bereits in jungen
Jahren entdeckte sie ihre Begeisterung für Physik. 1901 war sie die erste
immatrikulierte Frau im Fachbereich Mathematik und Physik der Wiener Universität.
Nach ihrer Dissertation begann sie
ihre Studien bei Max Planck in Berlin. Hier lernte sie auch ihren langjährigen
Mitarbeiter und Chemiker Otto Hahn kennen, mit dem sie eine große Anzahl von
wissenschaftlichen Abhandlungen veröffentlichte. Neben der Entdeckung des 91.
Elementes, des Protaciniums, war
ihre größte Leistung die Durchführung und wissenschaftliche Erklärung der
Kernspaltung, wofür nur Otto Hahn 1946 den Chemie Nobelpreis erhält.
Lise Meitner, als diejenige, die
die mathematische Berechnung der Kernspaltung lieferte, wird nicht berücksichtigt.
Bildmotive:
Feuer und Asche, die Figur und ihr Schatten, der Begriff Triage
(Ausschuss), auf der Seidengaze Motive aus dem Labor mit Hahn, Kernspaltung und
Atompilz.
Rosalind Franklin
(1920 –1958) Molekularbiologin
Rosalind Franklin wurde am 25.
Juli 1920 in London geboren. Sie studierte in Cambridge physikalische Chemie und
promovierte auf dem Gebiet der kolloidalen Eigenschaften von Kohle.
Später bildete sie sich zu einer
Expertin für die Röntgenstrukturanalyse fort.
Ihr Interesse richtete sich
zunehmend auf biologische Moleküle.
Um die DNA, den Hauptbestandteil
der Chromosomen und damit der Gene zu untersuchen, folgte sie der Einladung von
John Randall an das King`s College in London.
1951 konnte sie die
entscheidenden Strukturmerkmale für das DNA – Molekül bestimmen.
James
Watson und Francis Crick, Forschungskollegen aus Cambridge, verschafften sich
daraufhin ohne Rosalind Franklins Wissen Zugang zu Ihren wichtigen Röntgendaten.
Auf der Basis dieses Materials
konnten sie ihr berühmtes Modell der Doppelhelix bauen.
Kurz darauf wechselte Rosalind
Franklin an das Birkbeck College in London, wo sie sich mit dem Tabakmosaik -
Virus befasste und auch hier hervorragende Ergebnisse vorweisen konnte.
1958 erkrankte sie an Krebs und
starb kurze Zeit später.
Vier
Jahre darauf, 1962, erhielten James Watson, Francis Crick und Maurice Wilkins
den Medizin – Nobelpreis für die Entdeckung der DNA – Struktur, ohne dass hierbei die wichtige Basisarbeit
von Rosalind Franklin in
irgendeiner Form gewürdigt wurde.
Bildmotive:
Auf
der Seidengaze werden Bildmotive Alter Meister zitiert, zum Thema Adam und Eva,
Schöpfung einerseits, Vertreibung aus dem Paradies andererseits. Die Buchstaben
im Schlick geben den im Jahr 2000 entschlüsselten „Lebens-Code“ wieder, die
Sequenzen des menschlichen Genoms, die vier Basen der DNA. Ein Stoff aus dem das
Leben ist.
Die unendlich
vielen Eindrücke und gesammelten Informationen durch die Recherche im Rahmen
dieses Kunstprojektes haben ihre Spuren in Form von Bildern und Skulpturen
hinterlassen. Sie zeigen den Blick auf verschiedene Leben und Schicksale. Es ist
einerseits ein Rückblick in die Geschichte, es vollzieht sich aber auch
andererseits eine Auseinandersetzung mit der Gegenwart und der eigenen Rolle als
Frau, Tochter und Mutter.
Familienfrauen
In der Auseinandersetzung mit den
eigenen Wurzeln, den Frauen der eigenen Familie entstand dieses Tafelbild
innerhalb der Folge des Projektes Hypatias Töchter.
In den Farben Rot und Schwarz
kombiniert mit Schlick aus dem Wattenmeer symbolisiert dieses Bild Urkräfte von
Wachstum und Veränderung. Rot wie Feuer, Schwarz wie Asche aus der Neues erwächst,
Wandlung geboren wird, Metamorphosen möglich sind. Wattenmeerschlick, der die
Sedimente des Meeres birgt, der wie ein Urbrei Werden und Vergehen umhüllt. Ein
Stoff, der den Faktor Zeit greifbar werden lässt?
In nordischer Runenschrift steht
im Schlick: „Gegenwart ist Verlust und Gewinn.“
Wirfrauen
Ich, du, wir, nichts ist und
geschieht isoliert. Wir schauen aus unserem Körper auf unseren Körper, auf
andere Körper, Menschen, Wesen, wie Blicke durch ein Fenster. Selbst das
scheinbare Nichts umgibt uns und steht in ständiger Wechselwirkung mit uns. Wir
sind eingebunden in Raum, Gemeinschaft und Geschichte, sind verwoben mit dem
Gestern, Heute und Morgen.
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